Durch Verfügung der Königlichen Regierung in Minden vom Dezember 1817 waren alle Ämter und Gemeinden verpflichtet, in Zukunft eine Chronik zuführen: so auch für Schildesche.

Die Aufzeichnungen füllen fast 300 Seiten und umfassen einen Zeitraum von 1800 bis 1895.

Da sie zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens Notizen haben, stellen diese Chroniken ein informatives Zeitzeugnis dar, aus dem der
Heimatverein Schildesche e. V. in Zukunft periodisch Auszüge präsentieren wird.

Bisher erschienen : 1800–1802, 1800, 1803-1804,
um1800, 1805, 1806, 1806, 1806, 1807, 1808, 1809, 1810, 1811, 1812, 1813, 1813, 1815, 1815, 1816, 1816, 1817
Originalblatt der
Schildescher Chronik aus dem
Bielefelder Stadtarchiv
   




Im Jahre 1806 begannen die "napoleonischen Kriege", die sich mit Unterbrechungen bis 1815 hinziehen sollten. Für den Chronisten ist dies Anlass genug zu einer philosophischen Betrachtung. In dieser Zeit entstand das Königreich Westphalen, zu dem auch Schildesche gehörte:


 

it 1806 fängt eine Reihe von Jahren an, die durch ihre an Wunder gränzende Begebenheiten Jahrhunderte aufwiegen, den Menschen vor jedem Missbrauche seiner Kräfte und Anlagen warnen, uns Frevler und Bösewichter zeigen, welche Familien, ganzen Ländern und Reichen gefährlich werden, und uns belehren, daß nur diejenigen Völker und Reiche bestehen und fortdauern können, deren Bewohner durch Sittlichkeit und Religion, durch ächten Bürgersinn und Gemeingeist, durch beständige Fortschritte in den Wissenschaften und Künsten,
im Ackerbau, im Handel und in den bürgerlichen Gewerben, sich auszeichnen.

Der Krieg begann von Seiten Preußen gegen Frankreich und in der unglücklichen am 14ten October bei Jena gelieferten Schlacht wurden die Preußen gänzlich geschlagen. Der von Napoleon, dem Kaiser von Frankreich, in diesem Jahre errichtete rheinische Bund war sowohl feindlich gegen Preußen als gegen Oesterreich gesinnt. Napoleon hatte unsern jetzigen König Friedrich Wilhelm mit der Aussicht hingehalten, es könne sich unter seinem Schutze ein nordischer Bund, nach dem Muster des rheinischen, bilden, der das nördliche Deutschland umfassen solle; jetzt wurde ein solcher Bund verworfen. Hannover, das Frankreich erobert und an Preußen abgetreten hatte, wurde England wieder angeboten.

  Übrigens geschah alles, was Preußen kränken und ihm zeigen musste, dass der französische Kaiser ein selbstständiges Volk nicht mehr neben sich dulden wollte. Napoleon rückte nun, nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt, in schnellen Märschen in Preußen tiefer ein; und nach einigen Tagen rückte er schon in Berlin ein und bald darauf stand er an der Weichsel. Die Überbleibsel des Preußischen Heeres vereinigten sich mit den Russen, die jetzt auf den Kampfplatz traten. Nach einigen, wenig entscheidenden, obgleich blutigen, Vorfällen in Polen, zog sich der Krieg nach dem Königreiche Preußen, und hier kämpften die Heere bei Eylau in nicht großer Entfernung von Königsberg im Winter 1807 in bitterer Kälte eine der blutigsten Schlachten. Obgleich die französische Garde aufgeopfert wurde, so rückte Napoleon dennoch in Tilsit ein. Hier wurde durch eine Zusammenkunft der beiden Kaiser aus Osten und aus
Westen auf dem großen Niemen-Flusse schnell Friede geschlossen, und die Zerreißung des Preußischen Staats entschieden.

Friedrich Wilhelm trat die Hälfte seines Reichs mit mehren Millionen Menschen ab, worunter alle Länder zwischen der Elbe und dem Rhein begriffen waren. Aus dem größten Theile derselben bildete Napoleon das neue Königreich Westphalen für seinen jüngsten Bruder Hieronymus Napoleon
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Die Abschrift erfolgte getreu dem Original.
Die Fortsetzung der Schildescher Chronikseiten bald wieder auf dieser Seite.

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