Durch Verfügung der Königlichen Regierung in Minden vom Dezember 1817 waren alle Ämter und Gemeinden verpflichtet, in Zukunft eine Chronik zuführen: so auch für Schildesche.

Die Aufzeichnungen füllen fast 300 Seiten und umfassen einen Zeitraum von 1800 bis 1895.

Da sie zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens Notizen haben, stellen diese Chroniken ein informatives Zeitzeugnis dar, aus dem der
Heimatverein Schildesche e. V. in Zukunft periodisch Auszüge präsentieren wird.

Bisher erschienen : 1800–1802, 1800, um 1800, 1803-1804, 1805 , 1806, 1806, 1806, 1807, 1808, 1809, 1810, 1811, 1812 , 1813 , 1813, 1815 , 1815, 1816, 1816, 1817
Originalblatt der
Schildescher Chronik aus dem
Bielefelder Stadtarchiv
   




Zum Jahr 1800 machte der Schreiber einige allgemeine Angaben, wie Einwohnerzahl, Steueraufkommen und Namen der Stiftsmitglieder. Daneben finden sich jedoch auch Informationen zur Geschichte Schildesches. Er erwähnt das Jahr 840, indem die Stiftskirche erbaut worden sein soll. Dieses Jahr ist später immer wieder zitiert worden, entbehrt jedoch jeder gesicherten Grundlage. Der Geschichtsschreiber Gobelinus Person oder Persona, der Anfang des 15. Jahrhunderts lebte, berichtet in seiner Weltgeschichte vom Jahr 940. Auch der Geschichtsschreiber Nikolaus Schaten mit seinen Paderborner Annalen (18. Jahrhundert) wird zitiert. Bei der zum Jahre 1233 erwähnten "Holzung" handelt es sich um den Johannisberg bei Bielefeld.


 

ie Seelenzahl betrug in diesem Jahre ungefähr 4756.

Die öffentlichen Steuern dieser Gemeinde betrugen an Contribution, Cavallerie, Chaussee- und Heuerlings-Geld ungefähr 5034 Taler.

Das hiesige hochadliche freiweltliche Damen-Stift bestand aus folgenden Mitgliedern:
1. Abtissin und Küsterin von Schachten
2. Pröbstin von Goerz-Wriesberg
3. Fräulein, Seniorissin von Blankenburg
4. Fräulein von Wulffen
5. Fräulein von dem Busche
6. Fräulein, Gräfin von Münster
7. Fräulein von Schmiesing
8. Fräulein, Gräfin von Schaumburg-Lippe I
9. Fräulein von Burscheidt
10. Fräulein, Gräfin Carl. von
.....Schaumburg-Lippe
11. Fräulein von Heermann
12. Fräulein von Geismar
13. Fräulein von Hammerstein
14. Fräulein von Witzleben
15. Fräulein von Rüxleben
16. Fräulein von Kerssenbrok
17. Fräulein von Wittenhofen
18. Capitular und Hebdomadarius Heidsiek
19. Capitular und Hebdomadarius Schrader
20. Capitular und Hebdomadarius Soester
21. Vicarius Lampe
22. Vicarius Boemken
23. Vicarius Heising
24. Vicarius Helling
25. Von dem Busche.

  Die ersten acht Damen hatten hier ihre Curien und bewohnten dieselben; von den Mitgliedern waren statutenmäßig 2/3 evangelischer und 1/3 catholischer Confession. Das Stift hatte viele Ländereien und Eigenbehörige; dessen Entstehung verliert sich in das graue Alterthum, indem von demselben die hiesige Stifts-Kirche anno 840 und deren Thurm wahrscheinlich einige Jahre später erbaut worden ist.
Gobelinus Persona in Cosmidr. Aet. VI. cap. 48 setzt den Ursprung in das Jahr 940, in welchem Kaiser Otto I. dieselbe bestätigte und in seinen Schutz nahm. Kaiser Heinrich II übergab die Abtey im Jahre 1019 dem Bisthum Paderborn. Schaten annal. Paderborn: t. I pag: 433. Diplomatische Geschichte der alten Grafen von Ravensberg.
Im Jahre 1233 vertauschte die Aebtissin Mechtildis die bei Bielefeld belegene Holzung an den Grafen Ludovicus I von Ravensberg gegen den Hof zu Drewer.
Culemanns Ravensbergische Merkwürdigkeiten.
 


  ach dem bekannten Religions-Rezeß vom Jahre 1672 wurde den catholischen Mitgliedern des adlichen Stifts zu Schildesche die außerhalb Schildesche belegene Johannis Kapelle : wovon der jetzt noch vorhandene Kapellenbrink den Namen führt: zur Abhaltung des öffentlichen Gottesdienstes überlassen, und ihnen zugleich freigestellt, die gedachte Capelle Sancti Johannis abzubrechen und an einen andern nähern Ort nach Schildesche, welcher ihnen auf solchen Fall angewiesen werden sollte, auf ihre Unkosten zu setzen. Hierzu wurde der Platz "Kalberkamp" zwischen den Höfen der Frau Küsterin von Korff und der von der Lippe belegen, gewählt und eingeräumt.
Es wurde hierauf die Anstellung eines Beichtigers betrieben, und zur Unterhaltung desselben übernahmen die Evangelischen aus freien Stücken für das Jahr 1687, sechszig Thaler und für das Jahr 1688 ebensoviel herzuschießen. Für das Jahr 1689 wurden 80 Thaler festgesetzt und damit solange fortgefahren, bis der catholische Geistliche zum Genusse der Einkünfte einer Hebdomadarie gelangte. Der erste catholische Geistliche war Johann Hermann Tegeler und kam den 24ten November 1687.

 

Da noch keine Kirche vorhanden war, so wurde der Gottesdienst in der Wohnung des Fräulein von Droste gehalten. 1687, den 6ten Juni wurde mit dem Abbrechen der Capelle Sancti Joahnnis der Anfang gemacht und 1688 zur wirklichen Erbauung der Kirche geschritten, indem am 20ten Juni mit dem Steinhauer und Mauermeister Hans Fücker aus Melle der Contract schriftlich abgeschlossen wurde, nach welchem er sich verpflichtete, die sämmtliche Mauerarbeit der Kirche – so wie sie jetzt ist – für die Summe von 380 Thaler und 10 Thaler Weinkauf zu verfertigen. Demnächst wurde am 6ten Juli desselben Jahres, unter den üblichen Gebräuchen, der erste Stein gelegt; auf demselben waren die Buchstaben J.M.J. id est Jesus, Maria, Johannes, ausgehauen. Die Arbeit muß einen raschen und ungehinderten Fortgang gehabt haben; denn am 12ten October desselben Jahres war das Mauerwerk, jedoch ohne Gewölbe, fertig, und am 28ten November anno ejusdem wurde der erste Gottesdienst in der neu erbauten Kirche gehalten.
1689 bis 1692 geschah an der Kirche nichts weiter. 1693 wurde
das Gewölbe gemacht und die Kirche am 24ten Juni folgenden
Jahrs eingeweiht.
)

 


Noch zum Jahr 1800 notierte der Schreiber einen Rückblick auf die Geschichte der ehemaligen katholischen Kirche in Schildesche, die heute der Neuapostolischen Gemeinde gehört. Die Errichtung dieser Kirche war nach der Reformation und dem 30-jährigen Krieg notwendig geworden, weil die Stiftskirche den Protestanten zugeschlagen worden war.

Die Abschrift erfolgte getreu dem Original.
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Die Fortsetzung der Schildescher Chronikseiten bald wieder auf dieser Seite.

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